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Sie kann sich nicht verstecken

Sie kann sich nicht verstecken. Man sieht sie überall. So präsent, dass sie Teil der Landschaft zu sein scheint. Dass sie fast ein Dekor der Landschaft sein könnte…! Oberflächlich betrachtet. Seit neun Monaten treffen wir sie täglich und trotzdem scheinen wir uns nicht daran zu gewöhnen. Sie macht uns traurig, hilflos. Sie fordert von uns Weisheit. Sie klopft an unsere Tür, streckt uns auf dem Markt oder bei der Arbeit ihre Hand entgegen.

Dann plötzlich stellen sich Schuldgefühle ein. Wer bin ich, dass ich all die Privilegien habe? Um auf der anderen Seite zu leben? Während sie auf dieser Seite leben müssen. Und dann kommt die Wut über so viel Ungerechtigkeit. Wütend auf uns alle, uns Menschen. Wo haben sich unsere Wege getrennt? Wann hat der Graben angefangen sich zu bilden? Das ist kein Graben, sondern ein Abgrund. Und dann ist die Verzweiflung stärker als die Wut… danach folgt Traurigkeit.

Glücklicherweise treffen wir sie sehr oft mit einem Vornamen. Mona, Love, Mary, Jerry,…. Und inmitten dieses Wirbelsturms macht sich vorsichtig ein aufrichtiges Gefühl breit, das uns näher bringt: das Mitgefühl. [1] Dieses Gefühl hilft uns, wenn es miteinander geteilt wird, voranzukommen. Helfen… ja, manchmal können wir wirklich helfen! Es ist ein kleiner Tropfen Wasser in ihrem Ozean. Aber sein Glanz wird sichtbar durch einen Schimmer der Anerkennung in ihren Augen. Diese Glanzlichter, hier erleben wir sie. Ab und zu…

[1] Lukas 10:36,37: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. »Welcher von den dreien hat an dem Überfallenen als Mitmensch gehandelt? « Der Gesetzeslehrer erwiderte: » Natürlich der Mann, der ihm geholfen hat. « » Dann geh und folge seinem Beispiel! «, forderte Jesus ihn auf.

Familie Piaget in Liberia